Urheberrecht & Copyright Entwicklung Weltweit
Das Urheberrecht weltweit ist im Wandel und dieser Wandel vollzieht sich immer schneller.
Grundlage für Anpassungen und Änderungen am Urheberrecht ist oftmals die Reaktion der einzelnen Regierungen auf die Auswirkungen, die durch Internet User vervorgerufen werden.
Verletzungen von Urheberrechten, beispielsweise das unerlaubte Kopieren von Fotos oder die Verwendung von Texten sind an der Tagesordnung. Genauso ist das Nutzungsrecht in Mitleidenschaft gezogen. Hier besteht ebenfalls oftmals eine merkwürdige Auffassung von Klienten und Internetusern.
Dieser Artikel gibt die neuesten Entwicklungen im Urheberrecht und Copyright weltweit mit Stand März 2010 wieder und analysiert die kommenden Auswirkungen.
1. Grösstes Russisches Downloadportal Wegen Urheberrecht gesperrt
Die grösste Tauschbörse in Russland wurde wegenVerletzung von Urheberrecht und Copyright gesperrt. Das Downloadportal und seine Mitglieder, denen von Rechts wegen der Zugang zu Kinoblockbustern und Musik gesperrt war, reichten eine Petition bei der Regierung ein. Der Ansturm auf die Regierungsserver war so gross, dass diese kurzfristig zusammenbrachen.
Mittlerweile ist das Downloadportal zwar wieder unter anderem Namen im Netz, wie das so üblich ist. Die Vorgehensweise der Russischen Regierung zeigt jedoch, dass die Industrie auch andernorts in Europa sich nicht mehr die von illegalem Download verursachten Millionenschäden bieten lassen will.
Auch in Deutschland wird gegen Rapidshare ermittelt und es ist davon auszugehen, dass Urheberrechtsverletzungen in Zukunft hartnäckig von offizieller Seite verfolgt werden.
♦ Bit Torrent gesperrt | Post von Michael Mart | Spiegel Online
2.Provider haften zukünftig selber für Raubkopien
Zwischen der EU und neun weiteren Staaten wird gerade auf geheimer Ebene über das ACTA verhandelt. Dabei handelt es sich um ein Internationales Abkommen gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen. Der Entwurf sieht vor, dass Internetanbieter zukünftig selber gegen Netzpiraten vorgehen müssen und für Raubkopien haften.
Der Entwurf wird im Augenblick noch heftigst diskutiert, denn hier werden Grundrechte wie die Privatsphäre berührt und auch die Frage muss noch erörtert werden, ob das Abklemmen einer Domain, die Daten anbietet, wo das Copyright verletzt wird, ohne richterlichen Beschluss erfolgen kann.
Außerdem soll sichergestellt werden, dass die Provider nicht zu Handlangern der Wirtschaft gemacht werden.
♦ Post vom 23.02.10 | Reinhard Hönighaus | Financial Times
Das wiederum käme auch langfristig den Fotografen zugute, denn genau wie sich der illegale Download von Mund zu Mund verbreitet hat vor Jahren, werden sich diese Maßnahmen der Regierungsstellen ebenfalls verbreiten
3.Vergleich zwischen Google & den Verlagshäusern kurz vor dem Abschluss
Die Digitalisierung von Büchern, die im Google Scholar teilweise eingesehen werden können ist nach Auffassung der Verlagshäuser und auch des Justizministeriums eine Verletzung des Urheberrechtes. Argument ist hier der Hinweis auf die erforderliche Zustimmung des Urhebers zur Veröffentlichung seines Werkes, also die Vergabe der Nutzungslizenzen.
Dieses Prinzip gilt nicht nur bei unerlaubter Digitalisierung von Büchern, sondern das Prinzip Urheberrecht ↔ Vergabe von Nutzungslizenzen erstreckt sich grundsätzlich auch auf Fotografien. Der Urheber verfügt ebenso über das Nutzungsrecht an seinen Werken.
Das Justizministerium möchte einen opt-in, dabei handelt es sich um ein Verfahren, ähnlich im Email-Marketing, in dem der Urheber der Nutzung durch Google zustimmt, was Google aber anlehnt. Beanstandet wird außerdem vom Justizministerium, dass es sich bei Google um eine Privatfirma handelt, die sich hier Copyrightsverletzungen zuschulden kommen lässt.
Google hat ca. 7 Millionen Bücher eingescannt und verhandelt nun seit geraumer Zeit aufgrund der Vorwürfe mit den Verlagshäusern und Rechteinhabern über einen Vergleich. Vertreter des Ministeriums waren in NewYork bei einer Anhörung vor dem Richter zugegen. Die amerikanischen Verlagshäuser haben sich bereits auf einen Vergleich mit Google geeinigt.
Die deutschen Initiative hat wenig Chancen auf Erfolg. Man muss allerdings dem Ministerium Recht geben, wenn hier arugumentiert wird, dass Google zunächst einfach digitalisiert hat, bis der Marktanteil entsprechend groß war.
♦ Interview vom 24.02.10 | Roland Lindner | FAZ
4.IOC beruft sich auf das Urheberrecht nach dem Tod eines Rodlers
Das Internationale Olympische Kommitee hat einen Blogger aufgefordert, ein Video von seinem Blog zu entfernen, dass den Todessturz eines Rodlers in der Bahn zeigt. Der Sportler kam um, weil er mit seinem Schlitten stürzte, aus der Bahn geschleudert und gegen den Pfeiler einer Überdachung geschleudert wurde.
Die Argumentation des IOC beruft sich nicht nur auf das Urheberrecht, sondern auch auf die Rücksichtnahme, die den Hinterbliebenen des Verunglückten zukommt.
Es liegt allerdings der Verdacht nahe, dass man hier von Seiten des IOC die Erinnerung an diesen tragischen Unfall schnellstmöglich aus den Medien halten will. Unabhängig davon ist es allerdings so, dass das IOC die Urheberrechte an diesem Video hält und somit auch über die Nutzungs- und Verwertungsrechte entscheidet.
Open Source Software untergräbt das Copyright
Der US-Dachverband IIPA, in dem sich u. a. die Software- / Film- / Musikindustrie organisiert, hat dem amerikanischen Handelsbeauftragten eine nahezu 500 Seiten starke Liste übergeben, in denen Copyrightverletzungen aufgelistet sind.
Dieser Dachverband ist u. a. der Ansicht, dass Open Source Software, biespielsweise Open Office, das Copyright der Softwareentwickler verletzt und langfristig zur Schwächung des Wettbewerbes führen würden.
♦ Open Source untergräbt Geistiges Eigentum | Post vom 25.02.10 | Stefan Krempl | HeiseOnline

Die Front formiert sich
All diese Bestrebungen, Abichtserklärungen, Verhandlungen machen eines deutlich: dass Urheberrechtsverletzungen weltweit im Internet mittlerweile einen derartigen Schaden anrichten, der beinahe gar nicht mehr zu beziffern ist.
Dabei erscheint es unerheblich, aus welchen Gründen man sich zunächst auf das Copyright beruft.
Im Falle der russischen Tauschbörse, der Digitalisierung von Google oder auch der Hinweis auf Open Source Software, immer stehen die wirtschaftlichen Verluste und Interessen im Vordergrund.
Der Fall IOC zeigt noch einen anderen Aspekt. Möglicherweise will man sich hier einerseits vor rechtlichen Schritten verwahren, die folgen könnten, wenn im Nachhinein immer noch zuviele Menschen den Todessturz des Rodlers sehen. Immerhin wurde nach dem tödlichen Unfall die Rodelbahn verändert. Je mehr Augen das Video sehen, desto möglicher erscheint es, dass eines Tages irgendjemand eine Beobachtung auf dem Video macht, die unangenehme rechtliche Konsequenzen für das IOC haben könnten.
Außerdem ist dies auch in meinen Augen ein klarer Fall von Reputationsmanagement. Man will mit positiven Schlagzeilen in die Medien und mit ebensolchen Erinnerungen beim Zuschauer und den Besuchern verbleiben. Eine anhaltende Diskussion um den verunglückten Sportler kann man nicht gebrauchen. Langfristig bedeutet das auch nichts anderes als den Medienerfolg der Olympia auch in Zukunft zu sichern. Ob es immer auch ein wirtschaftlicher Erfolg ist, bleibt abzuwarten. Zu oft hat man in den vergangenen Jahren davon gehört, dass die Ausrichterstätte keine schwarzen Zahlen schreiben.
Prognose:
Langfristig können all diese Bestrebungen aber eine gewisse Nachhaltigkeit bei denjenigen hervorrufen, die sich ebenfalls Copyrightsverletzungen zuschulden kommen lassen. Internetuser, die Fotos illegal aus Portfolios entfernen beispielsweise.
Wenn derartige Bestrebungen, das Urheberrecht in einzelnen Ländern zu stärken, konsequent weiter verfolgt werden, hält das die Diskussion stets ingang. Es wird sehr lange dauern, aber möglicherweise wird das auch beim Internetuser einen Umdenkprozess ingang setzen und Inhalte nicht mehr so ohne Weiteres von Webseiten entfernt werden.
Auch das leidige Thema von der illegalen Verwendung von Fotos, deren Entfernung aus den Portfolios der Fotografen, könnte hiervon profitieren langfristig.
Ansonsten kann ich denjenigen unter uns, die fotografieren, nur raten, eine ähnliche Interessensgemeinschaft zu gründen und die illegale Verwendung ihrer Fotos oder die Verletzung der Nutzungslizenzen oder Verwertungsrechte konsequent zu verfolgen.

